Ivan De Menis
INVERSO
(30. Mai 2026 – 18. Juli 2026)

Mit INVERSO setzt sich der nahe Treviso beheimatete italienische Künstler Ivan De Menis einer gewohnten Ordnung entgegen. Er bezeichnet eine Umkehrung, die zugleich seinen Schaffensprozess reflektiert. Auch ist es eine Einladung, die Werke aus anderer Perspektive zu betrachten, in der die Seiten noch mehr in den Mittelpunkt rücken als die Oberfläche. Es ist ein Spiel der Kontraste – in Farbe, Materialität und Format. Skulpturale Elemente interagieren mit klein- und großformatigen Bildobjekten.

Sie sind minimalistisch und muten skulptural an: übereinanderliegende Quader, die sich aufrecht abheben und in Resonanz mit den Bildobjekten treten, das Konzept der Tiefe verstärken. Einer Tiefe, die in allen Arbeiten vorhanden ist. Dreidimensionalität. Kontrastierende Farben. Mattschwarze Oberflächen im Dialog mit Werken in knalligen Pop-/Floufarben. Dissonanzen und das Suchen nach neuen Harmonien. Das Bedürfnis, einen Dialog zwischen Form, Farbe und Raum zu schaffen. INVERSO verkörpert das, was für Ivan De Menis als Umkehrung zu einer gewohnten Ordnung oder Position steht.

„Aus diesen Gedanken an das Umgekehrte, an das Entgegengesetzte entstand meine Ausstellung für die Galerie Maximilian Hutz. Nach einer Zeit des Nachdenkens. Einer Zeit, in der mich alles dazu brachte, mein Werk in seiner vollständigsten Form zeigen zu wollen. Ich zerlegte und zerbrach Arbeiten, um sie dann in einem umgekehrten Prozess wieder zusammenzusetzen und so den Blick über die Oberflächen und Ränder hinaus zu lenken.“ De Menis ergänzt: „Das Projekt als Ganzes, der Gesamteindruck der Werke in der Ausstellung soll eine Poetik schaffen, die den Betrachter während seines Rundgangs umhüllt.“

In seinen Werkreihen Tessere, Tondi, Rette und Compressioni entstehen Bildobjekte mit intensiver Farb- und Leuchtkraft. Schrittweise aufgetragene Ton-in-Ton-Farben und sich überlagernde Lasuren erinnern dabei an die venezianische Schule, die das Kolorit betonte, die Farbe und den modellierenden Umgang mit Licht und Schatten, und zeugen von der starken Verbundenheit des Künstlers mit seinen italienischen Wurzeln. Bei Ivan De Menis folgen auf dicke Schichten hochpigmentierter Farbe nacheinander unzählige Schichten von Kunstharz, wodurch das Kunstwerk langsam an Volumen gewinnt. Seitlich treten die diversen Schichtungen offen zu Tage – Überlagerungen, Farbverläufe und -schlieren sind sichtbar – und lassen den Arbeitsprozess erahnen, „wie ein offenes Tagebuch“, so sein Vergleich. Bei den Arbeiten aus der Serie Compressioni, in deren Oberfläche Materialien wie Stoffe und Styropor eingeschlossen sind, verschmelzen Pigment und Struktur durch mechanischen Druck. Der Prozess des Aushärtens erfordert Geduld, Schicht für Schicht – und bremst dadurch die Hektik unserer schnelllebigen Zeit.

Zeit, deren Verlauf Ivan De Menis mit jeder seiner Schichtungen einfängt: Jeder Harzauftrag markiert die Zeit. Auf die Frage, ob er die Zeit bewahren oder ihr Vergehen sichtbar machen möchte, sagt er: „Ich denke an beides. In der Schichtung sehe ich den Lauf der Zeit. Ich sehe die Tage im Atelier Schicht für Schicht wieder vor mir. Gleichzeitig liebe ich den Gedanken, dass das Kunstharz an der Oberfläche zu einer Art Kuppel wird, die sich schützend über die Zeit legt. Vielleicht wird auch dieser doppeldeutige Aspekt zu einem weiteren Kontrast.“

Text: Natalie Kreutzer